Tokyo Motor Show – Blicke in die Zukunft
1. Oktober 2007 | Aktuell, Asien, International |
Im Oktober kennt Japans Automobilindustrie (fast) nur ein Thema: die Tokyo Motor Show. Die Vorbereitungen laufen schon lange, und dieses Mal, zum 40. Jubiläum, soll alles noch einen Tick perfekter sein als sonst. Die Show steht unter dem Motto “Catch the News, Touch the Future”, beherrschende Themen sind Verbrauchs- und Emissionswerte, Sicherheit, Komfort.
Strengere Abgasregelungen ab 2009 zwingen auch japanische Hersteller zur intensiven Beschäftigung mit dem Thema, besonders für den Heimatmarkt. Und hier erlebten wir in den vergangenen Monaten einen erstaunlichen Wandel: einst geschmähte Dieselmotoren gewinnen an Akzeptanz. Die ,Diesel-Initiative‘ deutscher Hersteller hat erheblich dazu beigetragen, die Diskussion in Japan anzufachen.
Den Anfang machte Honda mit der Ankündigung, 2009 einen selbstentwickelten Dieselmotor mit geringen Emissionswerten in Japan zum Einsatz zu bringen. Nissan legte nach und verkündete die Einführung eines Dieselmodells bereits für 2008, zwei Jahre vor dem bis dahin anvisierten Termin. Selbst Toyota – bislang hieß hier die ,Antriebstechnologie der Zukunft‘ immer Hybridmotor – beauftragte gerade Isuzu mit der Entwicklung eines gemeinsamen Dieselmotors. Und bald gibt es auch Diesel für Kleinwagen: Suzuki übernimmt die Technologie von Fiat und wird Dieselmotoren in Shizuoka bauen.
Klar abgesteckt sind die Terrains bei Hybridantrieben: Toyota zielt auf eine Million Fahrzeuge pro Jahr ab Anfang der nächsten Dekade, und Honda konzentriert sich auf den Einsatz von Hybridantrieben in kleinen Fahrzeugen. Der Rest – sucht noch den Anschluss; “Catch … the Future” braucht manchmal Zeit.
Sicherheit, Komfort und Premium als Umsatzförderer
Autos, die bei einem Unfall die Passagiere schützen, oder Sicherheitssysteme, die dafür sorgen, dass Unfälle gar nicht erst entstehen – das entwickeln nicht nur japanische Hersteller. Sie werden aber dabei durch das Ministerium für Land, Infrastruktur und Transport unterstützt, das den Einsatz der Produkte in einem ,Advanced Safety Vehicle‘ nachdrücklich fördert. Dass aber nicht alle Entwicklungen tatsächlich in die Praxis umgesetzt werden, ist nicht neu. So ist ein Auto, das nicht mehr startet, wenn der Fahrer Alkohol getrunken hat, sicher nützlich – aber wer wird es kaufen?
Benutzerfreundlichkeit wird auch wieder unterschiedlich buchstabiert werden. Ein Ansatz ist ,universal design‘, also Bedienerfreundlichkeit für alle Altersschichten. Die Japaner haben hier Trends gesetzt, und auch 2007 werden alle Hersteller entsprechende Fahrzeuge ausstellen. Einen weiteren bildet das Premiumsegment mit neuester Technologie, hochwertigen Materialien in dementsprechender Verarbeitung – und höheren Margen. Toyota hat sich mit der Einführung des Lexus in Japan auf neues Terrain gewagt und scheint nach Anlaufschwierigkeiten gut in Fahrt zu kommen. Kürzlich kündigte Honda an, auch seine Premium-Marke Acura von Nordamerika nach Japan zu holen.
Touch the future – dem Aufruf werden wieder Zehntausende folgen, wenn am 27. Oktober die Tokyo Motor Show für die Öffentlichkeit startet. Japans Automobilindustrie hofft natürlich, dass sich das Interesse in Begeisterung wandelt und Begeisterung in Kauflaune. Steigende Umsätze sind noch bessere Nachrichten als gute Slogans.
Neben Verbrauchs- und Emissionswerten, Sicherheit und Komfort sind Dieselmotoren und das Premiumsegment zentrale Themen der Ende Oktober startenden Tokyo Motor Show.
Ein Beitrag von Dr. Andreas Moerke, Japan- Experte und Partner der Tokioter interlogue JEB Ltd. und der www.automobil-produktion.de




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